Weißt du was dein Hund sieht?

Nahaufnahme von zwei Hunden mit intensiven Augen

Du fragst dich sicher oft, was dein vierbeiniger Freund eigentlich sieht, wenn er die Welt um sich herum betrachtet.

Lass uns einen genaueren Blick darauf werfen, wie Hunde ihre Umgebung wahrnehmen:

Die Augen deines Hundes: Ein Wunderwerk der Evolution

Bevor wir uns ansehen, wie dein Hund die Welt wahrnimmt, ist es wichtig zu verstehen, wie seine Augen aufgebaut sind. Hundeaugen ähneln in vieler Hinsicht menschlichen Augen, weisen aber einige entscheidende Unterschiede auf:

  1. Größe und Position: Hundeaugen sind im Verhältnis zum Kopf größer als menschliche Augen und sitzen seitlicher am Kopf. Dies ermöglicht ein breiteres Sichtfeld.
  2. Pupille: Die Pupillen von Hunden können sich in dunklen Umgebungen weiter öffnen als menschliche Pupillen, was mehr Licht einfallen lässt.
  3. Tapetum lucidum: Dies ist eine reflektierende Schicht hinter der Netzhaut, die Menschen nicht besitzen. Sie verstärkt das einfallende Licht und verbessert die Nachtsicht.

Farbwahrnehmung: Die Welt in Gelb und Blau

Du hast sicher schon gehört, dass Hunde farbenblind sind. Das stimmt so nicht ganz:

  • Hunde haben zwei Arten von Farbrezeptoren (Zapfen) in ihren Augen, während Menschen drei haben.
  • Sie können Blau und Gelb gut unterscheiden, haben aber Schwierigkeiten mit Rot, Grün und Orange.
  • Für deinen Hund sieht eine rote Erdbeere eher gelblich-grau aus, während das grüne Gras eher in einem blassen Gelbton erscheint.

Diese Art des Sehens ähnelt der Rot-Grün-Farbenblindheit bei Menschen. Es hilft, sich vorzustellen, dass dein Hund die Welt wie durch einen Blau-Gelb-Filter betrachtet.

Sehschärfe: Nicht ganz so scharf wie du

Wenn es um die Detailwahrnehmung geht, sind Hunde uns unterlegen:

  • Die Sehschärfe eines Hundes liegt bei etwa 20/75 im Vergleich zum menschlichen 20/20-Sehen.
  • Das bedeutet, was du aus 75 Metern Entfernung klar erkennen kannst, muss für deinen Hund auf 20 Meter heranrücken, um gleich scharf zu erscheinen.
  • Objekte in der Ferne erscheinen für Hunde verschwommener und weniger detailliert.

Dieser Unterschied erklärt, warum dein Hund manchmal Schwierigkeiten haben kann, kleine Objekte aus der Entfernung zu erkennen.

Bewegungswahrnehmung: Meister der Dynamik

Hier glänzen Hunde wirklich:

  • Ihre Augen sind besonders gut darin, Bewegungen wahrzunehmen, selbst kleine Veränderungen in der Umgebung.
  • Sie können flackernde Lichter mit einer höheren Frequenz wahrnehmen als Menschen. Während für dich ein 60-Hz-Bildschirm flimmerfrei erscheint, könnte dein Hund das Flackern noch sehen.
  • Diese Fähigkeit stammt von ihren jagenden Vorfahren und hilft ihnen, Beute oder potenzielle Gefahren schnell zu erkennen.

Nachtsicht: Sehen in der Dunkelheit

Dank ihrer evolutionären Anpassungen sind Hunde wahre Nachtsichtexperten:

  • Das Tapetum lucidum (ist eine Schicht im Auge der Haussäugetiere, die für die optimale Ausnutzung des Lichtes bei Dunkelheit zuständig ist) reflektiert Licht durch die Netzhaut zurück, was die Lichtempfindlichkeit erhöht.
  • Ihre Pupillen können sich weiter öffnen und lassen mehr Licht ins Auge.
  • Sie haben mehr lichtempfindliche Stäbchenzellen in der Netzhaut als Menschen.

All dies bedeutet, dass dein Hund in der Dämmerung und bei Nacht etwa fünfmal besser sehen kann als du.

Sichtfeld: Der Rundumblick

Das Sichtfeld deines Hundes ist beeindruckend breit:

  • Je nach Rasse können Hunde ein Sichtfeld von 240 bis 270 Grad haben, verglichen mit etwa 180 Grad beim Menschen.
  • Dies ermöglicht ihnen, mehr von ihrer Umgebung auf einmal wahrzunehmen.
  • Allerdings haben sie einen kleineren Bereich des binokularen Sehens (wo sich die Sichtfelder beider Augen überlappen), was die Tiefenwahrnehmung beeinflusst.

Tiefenwahrnehmung und räumliches Sehen

Obwohl Hunde ein breiteres Sichtfeld haben, ist ihr Bereich für die Tiefenwahrnehmung kleiner:

  • Der Bereich des binokularen Sehens beträgt bei Hunden etwa 30-60 Grad, verglichen mit etwa 140 Grad beim Menschen.
  • Dies bedeutet, dass Hunde möglicherweise Schwierigkeiten haben, die Entfernung von Objekten genau einzuschätzen, besonders wenn diese sich nicht bewegen.
  • Trotzdem sind sie in der Lage, Tiefen und Entfernungen wahrzunehmen, was für ihre Jagd- und Überlebensfähigkeiten wichtig ist.

Erkennen von Gesichtern und Ausdrücken

Entgegen früherer Annahmen sind Hunde durchaus in der Lage, Gesichter zu erkennen:

  • Sie können nicht nur bekannte Menschen identifizieren, sondern auch deren Gesichtsausdrücke interpretieren.
  • Studien haben gezeigt, dass Hunde zwischen freundlichen und wütenden Gesichtsausdrücken unterscheiden können.
  • Sie nutzen dabei sowohl visuelle als auch olfaktorische (Geruchssinn) Hinweise.

Einfluss der Rasse auf das Sehvermögen

Die Sehfähigkeiten können je nach Hunderasse variieren:

  • Hunde mit längeren Schnauzen haben oft ein breiteres Sichtfeld, aber einen kleineren Bereich des binokularen Sehens.
  • Kurznasige Rassen wie Möpse haben ein engeres Sichtfeld, aber einen größeren Bereich für die Tiefenwahrnehmung.
  • Einige Rassen, wie Windhunde, haben eine „visuelle Spur“ in ihrer Netzhaut, die ihnen hilft, bewegte Objekte besser zu verfolgen.

Wie Hunde ihre Umwelt wahrnehmen

Obwohl das Sehvermögen für Hunde wichtig ist, verlassen sie sich nicht ausschließlich darauf:

  • Ihr Geruchssinn ist ihr dominanter Sinn und liefert ihnen viele Informationen über ihre Umgebung.
  • Auch ihr Gehör ist deutlich besser als das des Menschen und ergänzt ihre visuelle Wahrnehmung.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das Sehvermögen deines Hundes eine faszinierende Mischung aus Stärken und Einschränkungen ist. Während sie in manchen Bereichen wie der Nachtsicht und Bewegungswahrnehmung brillieren, sind sie in anderen wie der Farbwahrnehmung und Sehschärfe eingeschränkt. Dieses einzigartige Sehvermögen, kombiniert mit ihren anderen ausgeprägten Sinnen, ermöglicht es Hunden, die Welt auf ihre ganz eigene, faszinierende Weise wahrzunehmen.

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Seit Sept.23 befinde ich mich in der Ausbildung zum Hundetrainer und möchte diese erfolgreich im Sommer 2025 abschließen. Danach plane ich den Gassi-Service um individuelles Training zu erweitern.

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