Gendefekte bei Hunden:
Wenn Farbmutationen zur Qual werden
Dilute, Merle und Scheckungs-Gen – Risiken, Krankheiten und der Handel mit „seltenen“ Hunden
Die moderne Hundezucht hat sich in den letzten Jahrzehnten stark verändert. Während früher die Funktionalität einer Rasse im Vordergrund stand, rücken heute oft ästhetische Merkmale wie spezielle Fellfarben oder Muster in den Fokus. Besonders begehrt sind Hunde mit „seltenen“ Farben, die durch Gene wie Dilute (D-Lokus), Merle (M-Lokus) und Scheckung (S-Lokus) entstehen.
Allerdings sind diese Gene nicht nur für außergewöhnliche Farbschläge verantwortlich, sondern auch für schwere gesundheitliche Probleme. Viele Hunde mit diesen genetischen Mutationen leiden unter Hautkrankheiten, Taubheit oder Blindheit. Dennoch werden sie oft zu überhöhten Preisen verkauft, da sie als „exklusiv“ gelten.
In diesem Artikel erfährst du, welche Auswirkungen diese Gene haben, welche Rassen besonders betroffen sind und wie skrupellose Züchter diese Hunde zu überhöhten Preisen vermarkten.
1. Das Dilute-Gen („Verdünnungs-Gen“) – Wenn Fellfarben zum Risiko werden
Genetik des Dilute-Gens (D-Lokus)
Das Dilute-Gen ist ein rezessives Gen, das die Pigmentverteilung in Haut und Fell verändert. Hunde mit zwei Kopien dieses Gens (d/d) haben eine stark aufgehellte Fellfarbe:
- Schwarze Hunde → Blau (Blue, Blue Grey, Stahlgrau)
- Braune Hunde → Isabella oder Lilac (beige-gräulich)
- Rote Hunde → Champagner oder Creme
Bekannte Rassen mit Dilute-Farben sind:
✔ Weimaraner (natürlich vorkommendes d/d)
✔ Dobermann („Blue Dobermann“, „Isabella Dobermann“)
✔ Labrador Retriever („Silver Labrador“)
✔ Französische Bulldogge („Blue Frenchie“)
✔ Cane Corso („Blue Cane Corso“)
Gesundheitsrisiken des Dilute-Gens
Die mit diesem Gen verbundene Krankheit heißt Color Dilution Alopecia (CDA). Typische Symptome:
- Haarausfall (beginnend im Welpenalter oder frühen Erwachsenenalter)
- Schuppige, trockene Haut
- Juckreiz und Neigung zu bakteriellen Hautinfektionen
- Brüchiges Fell, das leicht ausfällt
Ein Beispiel ist der Blue Dobermann, der häufig unter CDA leidet. Während normale schwarz-braune Dobermänner ein gesundes Fell haben, zeigen „blauen“ Exemplare oft im Alter von 1-2 Jahren kahle Stellen auf Rücken und Flanken.
⚠️ Besonders problematisch:
Einige Rassen wie Labrador Retriever tragen das Dilute-Gen nicht natürlich. Die „Silver Labradors“ entstanden durch Einkreuzung des Weimaraners. Dennoch werden sie als „reine Labradore“ zu überhöhten Preisen verkauft, obwohl sie gesundheitlich belastet sein können.
2. Das Merle-Gen – Schönheit mit tödlichen Folgen
Was macht das Merle-Gen?
Das Merle-Gen (M-Lokus) führt zu einer unregelmäßigen Pigmentierung in Haut und Fell. Es verursacht ein gesprenkeltes, marmoriertes Muster, das viele Hundeliebhaber als besonders attraktiv empfinden. Typische Farben sind:
✔ Blue Merle (schwarz-grau gesprenkelt)
✔ Red Merle (braun-beige gesprenkelt)
✔ Harlekin (stark gesprenkeltes Merle-Muster, z. B. bei Doggen)
Bekannte Merle-Rassen:
- Australian Shepherd
- Border Collie
- Dackel („Merle-Dackel“)
- Catahoula Leopard Dog
- Shetland Sheepdog (Sheltie)
Doppelte Gefahr: Double-Merle (MM)
Das große Problem mit Merle tritt auf, wenn zwei Merle-Träger miteinander verpaart werden. Ein solcher Hund hat dann zwei Kopien des Merle-Gens („Double Merle“, MM). Diese Hunde sind zu über 80 % taub oder blind.
Typische Defekte bei Double-Merle-Hunden:
- Taubheit (einseitig oder beidseitig) – weil das Innenohr nicht richtig ausgebildet ist
- Mikrophthalmie (extrem kleine oder fehlende Augen)
- Augenfehlbildungen (Linsentrübungen, Netzhautablösung)
- Neurologische Störungen
Beispiel:
Der Merle-Dackel ist eine beliebte „Designerrasse“. Werden jedoch zwei Merle-Dackel verpaart, sind die Welpen oft taub oder blind – eine Qual für die Tiere. Dennoch werden sie als „exotische Dackel“ vermarktet und für hohe Summen verkauft.
💡 Seriöse Züchter verpaaren niemals zwei Merle-Hunde!
3. Das Scheckungs-Gen – Weiß bedeutet Risiko
Was ist das Scheckungs-Gen (S-Lokus)?
Das Scheckungs-Gen ist verantwortlich für weiße Fellpartien. Je stärker dieses Gen ausgeprägt ist, desto größer sind die weißen Bereiche.
✔ Leichte Scheckung: Weiße Pfoten, Brust, Schwanzspitze (z. B. Border Collie)
✔ Starke Scheckung: Überwiegend weiß mit Farbflecken (z. B. Dalmatiner, Australian Shepherd)
✔ Extrem starke Scheckung: Fast komplett weiß (z. B. weiße Bullterrier)
Gesundheitsrisiken durch zu viel Weiß
Weißes Fell ist oft mit angeborener Taubheit verbunden. Warum?
Das Pigment Melanin spielt eine wichtige Rolle in der Entwicklung des Innenohrs. Wenn ein Hund durch das Scheckungs-Gen zu viel Weiß hat, fehlen oft Pigmentzellen im Ohr – das Innenohr verkümmert, und der Hund ist taub.
Besonders betroffene Rassen:
✔ Dalmatiner (ca. 30 % der Dalmatiner sind hörgeschädigt)
✔ Bullterrier (besonders weiße Exemplare)
✔ Australian Shepherds mit starker Weißscheckung
Problem: Viele weiße Hunde werden als „edle Albino-Hunde“ verkauft, obwohl sie oft taub oder lichtempfindlich sind!
4. Wie skrupellose Züchter mit genetisch kranken Hunden Geld verdienen
❌ Vermarktung als „seltene Raritäten“ (Nur sehr wenige Labradore sind tatsächlich Silver Labradors!)
❌ Verkauf ohne Gesundheitsnachweise
❌ Verschleierung von Krankheiten („Unsere Blue French Bulldogs sind topfit!“)
❌ Kreuzung mit anderen Rassen, um neue Farben zu erzeugen
💡 Seriöse Züchter testen ihre Hunde auf genetische Defekte und vermeiden problematische Verpaarungen.
Fazit: Schönheit darf nicht über Gesundheit stehen!
Während besondere Fellfarben attraktiv wirken, sind sie oft mit gesundheitlichen Problemen verbunden. Besonders das Dilute-, Merle- und Scheckungs-Gen führen zu Defekten, die das Wohlbefinden der Hunde massiv beeinträchtigen können.
👉 Hunde sollten nicht nach Farbe, sondern nach Gesundheit und Charakter ausgewählt werden!
Verwandte Beiträge
-
Rassenpotrait Golden Retriever
Der Golden Retriever ist ein freundlicher, vielseitiger und intelligenter Hund, bekannt für seine Loyalität und…